Nachgefragt

Begrüner hat es sich zum Ziel gesetzt nachzufragen. Wir werden regelmäßig Konzerne und Firmen um Stellungnahmen bitten: Wenn Bio-Produkte aus dem Sortiment verschwinden, wenn Nachhaltigkeit und Fairtrade mit Füssen getreten werden und wenn bekannt wird, dass Kunden vorsätzlich getäuscht werden. Wir treten den GREENWASHERN auf die Zehen!
In dieser Rubrik lesen Sie unsere Fragen und deren Antworten. Ausserdem können Sie eigene Kommentare verfassen und offen diskutieren. Wir behalten uns vor die Beiträge erst zu prüfen bevor sie freigeschaltet werden.

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Die Rückkehr der Dosen bei Penny

Begrüner (20.07.2010 20:31):
via eMail an Penny NRW am 20.07.2010:

Sehr geehrte Damen und Herren,
seit kurzem sind an Penny-Märkten Plakate zu finden, die die "Rückkehr der (Getränke-)Dosen" vollmundig ankündigen. Wie kann ein Konzern wie Penny, dessen Mutterkonzern REWE sich mit unterschiedlichsten Nachhaltigkeits-Programmen rühmt, einen derartigen Rückschritt in Sachen Umweltschutz verantworten? Getränkedosen, egal ob Weißblech oder Alu - egal ob Einweg oder Pfand, ist für die Umwelt nachweislich doppelt so schädlich wie die Verwendung von Glasmehrwegflaschen. Selbst Kunststoff-Pfandflaschen sind in der Klimabilanz günstiger als die unsinnigen Dosen. Für einen Konzern wie Penny, der sich sogar eine eigene Nachhaltigkeitsrubrik auf der Website leistet und damit offenbar die umweltbewußten Kunden ködern möchte ist das ein echtes Armutszeugnis.
Mit freundlichem Gruß,
www.begruener.de

Mario H. / Category Manager/Einkäufer/AFG/Säfte/Wasser (21.07.2010 18:42):
via eMail am 21.07.2010:

Sehr geehrter Herr Happel,

Getränkedose und Nachhaltigkeit.
Unzerbrechlich, platzsparend, licht- und sauerstoffundurchlässig - die Vorteile von Getränkedosen sind heute unbestritten. Doch damit nicht genug: Auch ihre Umweltbilanz hat sich in den vergangenen Jahren enorm verbessert:

Die Getränkedose ist die am meisten recycelte Getränkeverpackung der Welt
Jede Getränkedose ist vollständig wiederverwertbar und kann ohne Qualitätsverlust immer wieder recycelt werden
Jede recycelte Getränkedose reduziert deutlich die Umwelteinwirkung der nächsten Getränkedose
Bis zu 95 Prozent der Energie werden bei der Produktion von recyceltem Material gegenüber Primärmaterial eingespart
Die Getränkedose ist eine höchst effiziente und ökonomische Verpackung - sowohl in der Produktion als auch bei der Abfüllung und Distribution
Die Getränkedose ist leicht, praktisch, unzerbrechlich und schützt das Füllgut optimal
Die Ökobilanz: Ein wichtiges Instrument
Seit über 20 Jahren hat unser Unternehmen Ökobilanzen für Getränkedosen von unabhängigen Experten anfertigen lassen. Diese helfen uns dabei, die Umweltauswirkungen unserer Produkte besser zu verstehen und sie kontinuierlich und ganzheitlich zu optimieren.

In Deutschland wurde der ursprüngliche Zweck von Ökobilanzen - nämlich das interne Benchmarking und die weitere Optimierung - bei Getränkeverpackungen in eine ursprünglich nicht beabsichtigte Richtung gedrängt. So werden seit den 1990er Jahren Ökobilanzen auch für Vergleiche von verschiedenen Produkten und letzten Endes auch für politische Entscheidungen herangezogen. 15 Jahre ist es z.B. her, dass das Deutsche Umweltbundesamt die letzte vergleichende Ökobilanz zu Bier-Getränkeverpackungen herausgegeben hat. Im Mai 2010 legte das IFEU-Institut für Energie- und Umweltforschung neue Ergebnisse zur Umweltverträglichkeit von Getränkedosen im Vergleich zu PET- und Glasflaschen vor. Die Ergebnisse zeigen: Getränkedosen sind auch unter ökologischen Gesichtspunkten auf Augenhöhe mit anderen Einweg- und sogar mit Mehrweggebinden. Weiterführende Informationen zur Studie finden Sie auf www.forumgetraenkedose.de.



Mit freundlichen Grüßen

Mario H.

PENNY-Markt GmbH
Category Manager / Einkäufer
AFG / Säfte / Wasser

Penny-Markt Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Büroanschrift: Stolberger Str. 76 - 78, 50933 Köln
Postanschrift: Domstraße 20 · 50668 Köln
Geschäftsführer: Günter Becker, Alfred Glander, Armin Rehberg
Registergericht, Sitz: Amtsgericht Köln (HRB 27043), Köln


Begrüner (21.07.2010 18:43):
Sehr geehrter Herr H.,

vielen Dank für Ihre umfangreichen Ausführungen. Leider stimmen diese jedoch
in keinster Weise und die von Ihnen zitierte 200-seitige Ifeu-Studie hat
genau widerlegt, dass Getränkedosen "gleichauf" mit Mehrwegglasflaschen
seien. Die Studie wird von der Dosenindustrie und auch von Ihnen
sinnverfremdet und derart verdreht, dass sich das Ifeu-Institut selbst gegen
diese Auslegungen mit einer eigenen unverfremdeten, fünfseitigen Kurzfassung
und einer Gegendarstellung an die Öffentlichkeit gewandt hat.
Die Umweltfreundlichkeit von Dosen, die Sie aus der Studie herauslesen geht
von einer falschen Grundvoraussetzung aus, nämlich der sog. 100:0-Allokation
beim Recycling. Das bedeutet, dass jede Dose zu 100% wiederverwertet wird
und neue Rohstoffe so nicht mehr zum Einsatz kämen. Das wird aber bei keinem
einzigen Pfandprodukt erreicht. Deshalb hat die Ifeu-Studie ja auch die
wesentlich realistischere 50:50-Allokation dem gegenüber gestellt. Und da
sieht es merkwürdigerweise plötzlich ganz anders mit der
Umweltverträglichkeit aus. Wenn Sie also die Studie zitieren, dann sollten
Sie nicht den bunten Flyer des Branchenverbandes der Getränkedosenhersteller
(BCME) zu Rate ziehen, sondern die komplette (unverfälschte) Studie
befragen.
Ich finde es traurig, dass Sie ihre Kunden für so grenzdebil halten, dass
sie darauf hereinfallen sollen. Mit solchen Aktionen wird der sonst
lobenswerte Ansatz Ihrer Nachhaltigkeitsbemühungen null und nichtig gemacht
und die Glaubwürdigkeit von Penny und dadurch auch REWE beim kritischen
Kunden leichfertig verspielt.

Mit freundlichem Gruß,
Achim Happel
Abt. "Nachgefragt"
www.begruener.de